17.11.11 09:00 Alter: 7 yrs

Bielefelder Studierende erfolgreich in Boston, USA - MIT-Wettbewerb für Synthetische Biologie

Von: TN

Unter 160 Konkurrenten weltweit haben sie es unter die letzten 16 geschafft, damit gehören sie zu den drei erfolgreichsten Bewerbern aus Europa und sind das beste von drei deutschen Teams: Vom 5. bis zum 7. November hat ein Team von Studierenden der Universität Bielefeld am Finale des internationalen Nachwuchswettbewerbs in synthetischer Biologie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, USA, teilgenommen. Der Wettbewerb ist der bedeutendste internationale Wettbewerb für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in den Lebenswissenschaften und wird jährlich vom weltbekannten Forschungsinstitut MIT ausgeschrieben. Am Montag, dem 7. November, ging der diesjährige Wettbewerb mit der großen Preisverleihung am MIT zu Ende, nachdem zwei Tage lang alle teilnehmenden Teams ihre Projekte präsentiert und sich den Fragen von Jury und Teilnehmern gestellt hatten.  

Die Konkurrenz war stark: Im Halbfinale in Amsterdam konnten sich die Bielefelder bereits gegen ihre starke europäische Konkurrenz durchsetzen. Insgesamt haben über 160 Teams aus aller Welt an dem Wettbewerb teilgenommen, mehr als 60 von ihnen haben ihr Projekt am vergangenen Wochenende in Boston vorgestellt. Das Projekt des Bielefelder Teams ist ein alltagstaugliches Testsystem, bei dem ein Biosensor das Umweltgift Bisphenol A in Lebensmittelbehältnissen nachweist. Der Test ist ohne großen Aufwand und teure Laborausstattung möglich. Dafür haben die Studierenden Methoden aus der synthetischen Biologie und Nanobiotechnologie genutzt. Sie haben spezielle Kügelchen hergestellt, die beim Kontakt mit dem Gift ihre Farbe ändern. Dazu haben sie die Oberfläche der Kügelchen mit einer netzartigen Proteinstruktur beschichtet, die ursprünglich aus Bakterien stammt. Mithilfe von Enzymen, die in Bakterien hergestellt sowie an die Proteinschicht gekoppelt sind, wird das Bisphenol A erkannt. Ist ein Verbraucher also unsicher, ob seine Flasche das Gift enthält, kann er sie über Nacht mit einer Testlösung befüllen. Verfärbt sich die Lösung, ist Bisphenol A enthalten.

Die Massenchemikalie Bisphenol A wird zum Beispiel bei der industriellen Produktion von Polycarbonaten verwendet. Diese robusten, formstabilen und farblosen Kunststoffe kommen bei der Herstellung vieler Alltagsgegenstände, wie den Babyfläschchen, zum Einsatz. Und das, obwohl der Substanz in einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien bereits bei niedrigen Konzentrationen eine dem weiblichen Sexualhormon ähnliche Wirkung zugeschrieben werden konnte. Daher wird die Substanz für Störungen in Fortpflanzung, Verhalten und körperlicher sowie geistiger Entwicklung von Säugetieren verantwortlich gemacht. Für Babys und Kleinkinder besteht eine besondere Gefahr, weil die Chemikalie vor allem beim Erwärmen aus den Kunststoff-Fläschchen entweichen und somit frühzeitig zu Gesundheitsschädigungen führen kann. Die Verwendung von Bisphenol A ist bei der Produktion von Babyfläschchen seit dem 1. März 2011 und deren Verkauf seit dem 1. Juni 2011 innerhalb der Europäischen Union gesetzlich verboten. Auf andere Gebrauchsgegenstände erstreckt sich das Verbot jedoch nicht.

Der iGEM-Wettbewerb widmet sich Themenstellungen aus der synthetischen Biologie und wird seit 2004 jährlich vom Massachusetts Institute of Technology ausgerichtet. Die synthetische Biologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet und beschäftigt sich mit der Erzeugung neuartiger biologischer Systeme, die innovative und nutzbringende Eigenschaften besitzen. Ziel des Wettbewerbs ist die eigenständige Durchführung eines Projektes, angefangen bei der Entwicklung einer Projektidee bis hin zu deren Umsetzung, Finanzierung und Darstellung in der Öffentlichkeit. Darüber hinaus legt der Wettbewerb besonderen Wert auf die Beschäftigung mit Fragen der Ethik und Biosicherheit, welche einen essentiellen Bestandteil des Forschungsbereichs ausmachen.

 

Weitere Informationen im Internet:
www.igem-bielefeld.de